01.10.+08.10.2025 Eine Sprache – viele Sprachen | Una lingua – molte lingue

Was können Südtirols Schulen? | La scuola altoatesina fa la differenza.

Wie wollen wir mit sprachlicher Vielfalt in Kindergärten und Schulen umgehen? Mit dieser Frage setzte sich die Veranstaltungsreihe „Eine Sprache, viele Sprachen“ auseinander.

Der Oktober begann im Zeichen der gegenseitigen Teilhabe und des Austauschs zwischen Schule, Forschung und Zivilgesellschaft. Eine große Beteiligung prägte die beiden Veranstaltungen der Reihe „Eine Sprache – viele Sprachen. Was können Südtirols Schulen?“, die am 1. und 8. Oktober an der Akademie Meran stattfanden.

Die Veranstaltungsreihe erstand aus einer Zusammenarbeit zwischen der Akademie Meran, Eurac Research, den Sprachzentren der Autonomen Provinz Bozen, der Freien Universität Bozen und der Euregio Plattform für Menschenwürde und Menschenrechte. Ziel der Veranstaltungen war es, die Bevölkerung zu einer gemeinsamen Reflexion über ein Thema einzuladen, das insbesondere im Umfeld von deutschsprachigen Bildungseinrichtungen für rege Diskussionen sorgt. Als roter Faden diente die Frage, welche Herausforderungen sprachliche Vielfalt in Südtirols Kindergärten und Schulen mit sich bringt, und ob – und wie – sie sich in einen Reichtum verwandeln kann, der Bildungsgerechtigkeit für alle fördert.

An der Veranstaltung nahmen zahlreiche Lehrpersonen, Verantwortliche der Bildungsdienste, Personal von Kindergärten und Integrationsdiensten, schulische Führungskräfte sowie Eltern teil. Der erste Abend begann mit einer Reihe von Beispielen für pädagogische und forschungsbezogene Initiativen, die die sprachliche Vielfalt in unserem Land bereits wertschätzen und unterstützen. Der zweite Abend präsentierte hingegen einige internationale Beispiele für Governance und Sprachpolitik (das spanische Baskenland, die slowenische Provinz Prekmurje und das Aostatal), um eine gemeinsame Reflexion darüber anzuregen, welche Anstöße für den lokalen Kontext angesichts der in Südtirol im Bildungsbereich geltenden Minderheitenschutzmechanismen nützlich sein könnten. Im Format der World Cafés – einer Methode, die auf dem informellen Austausch von Erfahrungen und Wahrnehmungen in kleinen Gruppen basiert – diskutierten die Teilnehmenden anschließend die bestehenden Herausforderungen, teilten Beispiele für inklusive Praktiken und schlugen Lösungen für die lokale Realität vor.

Unter den vielen Reflexionen, die an den Arbeitstischen gesammelt wurden, tritt die Bedeutung des Zuhörens und der effektiven Beziehungen zwischen Bildungsinstitutionen, Familie, Vereinen und der erweiterten Gesellschaft hervor. Es wurde auch die Notwendigkeit betont, einige Barrieren zu beseitigen, die einen Teil der politischen und medialen Diskussion prägen, zum Beispiel, indem deutlicher kommuniziert wird, dass die Einbeziehung von Sprachen wie Albanisch, Arabisch oder Urdu keine Bedrohung für die historischen Sprachen des Gebiets darstellt, sondern eine Ressource für besseres Lernen und die Förderung von Offenheit und Respekt ist. Ebenso wichtig ist es, das Bewusstsein dafür zu fördern, dass Ungleichheiten nicht immer und ausschließlich auf einen tatsächlichen oder vermeintlichen Mangel an Sprachkenntnissen zurückzuführen sind, sondern auch auf Klassenunterschiede und den Zugang zu Ressourcen, die oft durch stigmatisierende Praktiken von Einzelpersonen, Medien und sogar Institutionen verstärkt werden. Von größter Bedeutung für die Teilnehmenden ist die Ausbildung des Lehrpersonals für ein effektives Management der sprachlichen Vielfalt. Dies sollte für viele Teilnehmende in gemeinsamen universitären Studiengängen erfolgen, also ohne Aufteilung in Sprachgruppen, sowie durch eine Ausbildung in der Differenzierung von Strategien, Inhalten und Aktivitäten, um die Unterschiede jedes Einzelnen zu würdigen.

Es wurde außerdem über mögliche Entwicklungen auf politischer, administrativer und gesellschaftlicher Ebene diskutiert, wobei das Bewusstsein bestand, dass der historische Kontext Südtirols weiterhin den Umgang mit Sprache sowie die Sprach- und Bildungspolitik beeinflusst – ebenso wie die Bedeutung des Schutzes und/oder der Förderung von Minderheitensprachen in zunehmend vielfältigen Kontexten. An den beiden Abenden wurde daher auch über den Vorschlag und die Notwendigkeit (oder Nicht-Notwendigkeit) eines „dritten Südtiroler Bildungswegs“ nachgedacht – eines zusätzlichen mehrsprachigen Bildungsmodells, in dem die Unterrichtssprachen gleichwertig sind und alle weiteren Sprachen wertgeschätzt werden, wobei die unterschiedlichen Realitäten und Bedürfnisse im Gebiet sowie die Bedeutung emotionaler Bindungen an die Sprache für ein effektives Lernen berücksichtigt werden. Es darf jedoch nicht vergessen werden, dass Bildung nicht nur auf die Sprachfrage reduziert werden kann: Kindergärten und Schulen sind ein Ort, an dem übergreifende Kompetenzen entwickelt werden, einschließlich jener, die für das Zusammenleben grundlegend sind. Das sollte uns dazu bewegen, gerechte und wertschätzende Lösungen für alle zu suchen.

Die Veranstaltung endete mit dem Wunsch, die gemeinsame Reflexion über Sprachpolitik und Bildungspraxis in unserem Gebiet fortzusetzen. Das Organisationsteam ist daher bereit, Vorschläge zu sammeln, um weitere Austauschmöglichkeiten in ganz Südtirol zu planen – unter Einbeziehung aller, die an diesem Thema interessiert sind. Kontakt: info@adsit.org.

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