11.–12.11.2022 Jakob Philipp Fallmerayer (1790–1861). Ein Südtiroler zwischen dem Peloponnes und Trapezunt

Der 1790 im Weiler Pairdorf bei Brixen geborene Historiker und Schriftsteller Jakob Philipp Fallmerayer gehörte im 19. Jh. zu den bekanntesten Südtiroler Gelehrten europaweit. Zu seinen wichtigsten Werken zählen eine preisgekrönte „Geschichte des Kaiserthums von Trapezunt“ (1827), eine „Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters“ (1830-36) und die „Fragmente aus dem Orient“ (1845: Neuausgabe Edition Raetia 2013). Bereits an der Domschule zu Brixen studierte der Bauernjunge altgriechische Grammatik. Später kam das Neugriechische hinzu. In einem bewegten Leben hatte Fallmerayer die Möglichkeit, den ganzen griechischsprachigen Raum zu bereisen. Bei einer ersten Reise 1831-34 war er in Zypern, Rhodos, den Kykladen, Athen und Sparta, bei einer zweiten 1840-42 in Trapezunt, auf dem heiligen Berg Athos (wo er sich einige Zeit niederließ), in Saloniki und Athen, bei einer dritten und letzten Reise 1847-48 wieder in Athen und Trapezunt. Dank seiner Sprachkenntnisse und ausgedehnter Reisen wurde Fallmerayer zu einem der hervorragenden Griechenlandkenner der ersten Hälfe des 19. Jh. 

Die Vorrede von Fallmerayers „Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters“ beginnt: „Das Geschlecht der Hellenen ist in Europa ausgerottet“. Laut dem Historiker soll die Bevölkerung des modernen Griechenlands von eingewanderten Slawen und Albanern abstammen. Diese hoch umstrittene These erregte verständlicherweise manchen hitzigen Zank sowohl im nach den blutigen Befreiungskämpfen 1821-31 entstandenen Staat Griechenland als auch im von dem Geist des Philhellenismus durchdrungenen Europa des 19. Jh. Eines der Ziele der wissenschaftlichen Tagung liegt darin, die Rezeption von Fallmerayers These bei Zeitgenossen in Griechenland und in Europa zu untersuchen. Gleichzeitig soll die Tagung die „Geschichte des Kaiserthums von Trapezunt“ und die „Geschichte der Halbinsel Morea während des Mittelalters“ als Beiträge zur byzantinischen Historiographie anhand neuester Forschungen kritisch bewerten. Ein weiteres Ziel wäre eine literaturwissenschaftliche Auseinandersetzung mit den in den „Fragmenten aus dem Orient“ enthaltenen Reiseberichten. Des Gelehrten urbane Prosa, funkelnd mit Witz, Ironie und Sarkasmus, verdiente in diesem Sinne mehr Aufmerksamkeit: Zu den Kleinodien gehören Kapitel wie „Hagion-Oros oder der heilige Berg Athos“ und „Wie der Fragmentist wegen seiner Ansichten über das griechische Mittelalter in Athen anfangs als öffentlicher Feind behandelt wird, am Ende es aber doch zu leidlichem Verständniß mit einem Theil der hellenischen Literaten bringt und auch seinen Gegnern in Deutschland keine Antwort schuldig bleibt“. 

Wissenschaftliche Leitung: Dr. Aglaia Blioumi (Nationale und Kapodistrias-Universität Athen) und Dr. John Butcher (Akademie Meran)

In Zusammenarbeit mit dem Fachbereich Deutsche Sprache und Literatur der Nationalen und Kapodistrias-Universität Athen